Peter Greenaway: “Nine Classic Paintings Revisited”

“Nine Classic Paintings Revisited” is the second of two lectures presented by filmmaker Peter Greenaway as the 2010-2011 Avenali Chair in the Humanities at the Townsend Center for the Humanities, UC Berkeley. Greenaway talks about a series of video installations he calls Nine Classic Paintings Revisited, in which he applied his often controversial vision to The Last Supper, The Wedding at Cana and other famous artworks.90 minutes.

Best known for such films as The Draughtsman’s Contract (1982), The Cook, the Thief, his Wife & her Lover (1989), The Pillow Book (1996), The Tulse Luper Suitcases (2003-2004), and Nightwatching (2007), Greenaway has worked more recently on numerous exhibitions and installations in Europe, from Venice’s Palazzo Fortuny and Barcelona’s Joan Miró Gallery to Rotterdam’s Boymans van Beuningen Gallery and Paris’ Louvre.

Topkapı

Den Topkapı-Palast kannte ich bereits aus Köln-Bilderstöckchen. Es handelt sich dabei um einen gleichnamigen Döner-Imbiß unterhalb der beiden Hochhäuser, bzw. eine Pizzeria, die ich nie betreten habe, weil mir hinter den verglasten Scheiben eine Spur zuviel hüzün, die türkische Tristesse, lauerte. Als ich wenige Tage vor meiner Abreise nach Istanbul an den Hochhäusern von Bilderstöckchen vorüberradelte, erinnerte mich das Namensschild des Grill-Restaurants an den wunderbaren Spielfilm Topkapi mit Melina Mercouri, Maximilian Schell und Peter Ustinov, den ich, kaum in Istanbul angelangt, im Netz anschaute. So kam es, daß ich den originalen Topkapı-Palast mittels eines raffinierten Zeitsprungs zuerst im Jahre 1964 sah.

Der Film beginnt mit einer psychedelisierten Jahrmarktszene, sowie einer Führung durch das Serail. In beiden Auftaktszenen stellt Melina Mercouri sich als Diebin vor, die den berühmten (oder erst durch den Film richtig berühmt gewordenen) smaragdbesetzten Dolch aus der Palast-Schatzkammer zu stehlen beabsichtigt. In einer Reihe schnell geschnittener Bilder folgt ein Istanbul-Mosaik, das mich in diegleiche Stimmung wie „Zorn des Meeres“ von Yaşar Kemal versetzte: überladene Lastenträger auf der alten Galatabrücke, Holzhäuser und pittoreske verbrechentriefende Bosporusecken in träumerisch verschwommenem Technicolor – klassische Mosaiksteine, parfümiert mit aufregenden Abenteuerdüften, Mosaiksteine, die im heutigen Stadtzentrum rar geworden sind und die mir bereits zu Beginn meines Aufenthalts zu einer wehmütigen Erinnerung verhalfen, einem herzhaften Trugbild, einem Vorab-Abziehbildchen, das ich hinterher in meinen Setzkasten mit den besterhaltenen Klischees aus aller Welt aufnahm.

Regisseur Jules Dassin zitiert in Topkapi fortab sein Meisterwerk Rififi, Peter Ustinov glänzt in der Rolle des schmierigen Schmocks, Melina Mercouri gibt die gierende Sexbombe mit rollenden Lippen und rauher Lache, Maximilian Schell („das muß doch irgendwie gehen“) das Schweizer Pfadfinder-Gentleman-Genie, der Plot entwickelt sich getragen, aber voller Wortwitz, einmal fällt auf Deutsch das mir bis dato unbekannte Schimpfwort „Scheißkopf“. Während eines großen Öl-Ringkampf-Fests macht sich die Diebestruppe auf den Weg zum Palast, um in gewitzter (und später in Mission Impossible adaptierter) Manier besagten Smaragddolch zu stehlen. Als ich einige Wochen später den Topkapı-Palast besuchte, mußte ich ständig auf die Dachkonstruktion schauen, in der Hoffnung, dort heutige Outlaws bei Kletteraktionen zu erblicken und der Schauspieler Ünal Silver erzählte mir, daß er als Junge bei Topkapi als Statist mitspielen durfte, weil er in Drehort-Nähe aufgewachsen war: „Ich bin da in irgendeiner Szene zu sehen, wie ich aus dem Bild laufe.“

Am Filmende verrät eine verirrte Palmtaube die Diebe, eine Pointe ganz nach meinem Geschmack, wo ich den Vögeln in Istanbul doch so ziemlich alles zutraue, weil meiner sturen Ansicht nach sie (und nicht Bürgermeister Kadir Topbaş) die Stadt regieren. Und gehört ihnen nicht längst alles, wonach die Menschen streben? So prüfte ich in Istanbul, das darf man keinem Vogel erzählen, Dutzende Aussichtspunkte und befand sie für gut. Die edelsten aller schönen Aussichten bietet zweifellos der Topkapı-Palast. Das Marmarameer und den Bosporus zu Füßen, den Seerosenteich und Prinzleins Bolzplätze, ließ ich unter der Goldkuppel des Fastenbrechen-Pavillons meine Gedanken zu sultanischen sich aufblähen: ungeheurer Besitztum, der unter Hauen und Stechen verteidigt und ausgeweitet werden muß, Angst und Allmacht, Kindermord und lyrische Mondnächte. Der Gedankenturban wurde mir schnell zu drückend und so lustwandelte ich davon und zerstreute mich, dieweil Gewitter übers Meer eilten, in den Palasthöfen.

Faszinierend fand ich neben der unübertrefflichen Lage des Serails seine kalligrafischen Kachelarbeiten, denen auch ohne Kenntnis der arabischen Schriftzeichen Bedeutungen zu entnehmen waren: verschlungene Sounds von einiger Göttlichkeit, gedrechselte Pegelschläge menschlicher Verzückung. Nie zuvor habe ich schönere Schriftkunstarbeiten gesehen. Im Beschneideraum ereilte mich die perverse Vorstellung eines riesigen Haufens Vorhäute. (Nach den endlosen Zeremonien würden sie in Schubkarren geschippt und zu geheimen Zwecken an schwierige Orte verbracht.) Im höchst geschmackvollen Bibliothekspavillon lungern langgestreckte Diwane und leergeräumte Regale („das paßt jetzt alles auf einen USB-Stick“) – was muß das für ein Lesen gewesen sein!

Die Kleinodien des osmanischen Nationalschatzes sind in abgedunkelten Vitrinen inszeniert, an denen die Besucher vorüberdefilieren müssen. Natürlich, den Dolch muß ich nun, wo ich den Film schon kenne, im Original sehen, und bitteschön auch den Löffelmacher-Diamanten, der einst auf einem Istanbuler Müllhaufen gefunden worden sein soll. Beide Exponate blinken kräftig! Bald stellt sich vor lauter Juwelen, Schmuck und Zierrat Übersättigung ein, zuviel Reichtum vertrage ich einfach nicht und betrachte stattdessen lieber die Menschen wie sie die effektvoll ausgeleuchteten Vitrinen betrachten, während ihr Strom mich hinfortzieht. Plötzlich stehe ich vor einem Schaukasten, in dem eine Art bronzelegierter Stock oder Ast zu sehen ist. Der Stab Mose lautet die Beschriftung. Kein Wort mehr, keines weniger. Ich bin baff. Mit diesem Werkzeug hätte ich an dieser Stelle nicht gerechnet. Könnte ich nur auf den Wunderknüppel zugreifen, würde ich umgehend die Menschenmassen teilen, um dem Palast schnellstmöglich zu entkommen. Doch er steckt hinter Panzerglas. Also tipple ich weiter im Gänsemarsch Richtung Ausgang. Und wenn mich nicht alles täuscht, habe ich im Vorübertippeln sogar noch ein paar Bartstoppeln des Profeten gesehen.

Mermaid sounds from Rio de Janeiro

Plastic sound for mermaids from Yollarda on Vimeo.


Plastic Sound For Mermaids

The ocean was dreaming of a mermaid

With a comb of pearl combing her hair

Singing of immortal love

A big, blue fish

Sat on the shore

Chanting a lore

About the endurance

Of plastic bottles

In the deep blue of the sea

And in the white sand of the dunes

Motives in the Video:;

Created from discarded plastic bottles, these giant fish make a powerful environmental

statement as they emerge from the sands of Botafogo beach in Rio de Janeiro, Brazil.

This year, the city of Rio is hosting the UN Conference on Sustainable Development, also

called Rio+20, and these giant fish were created to mark the occasion. Hundreds of
plastic bottles sparkle in the sun and, at night, the sculptures are illuminated with

colorful blue and red LED lights that twinkle against the backdrop of the beach as a
monumental reminder to recycle.

The three fish represent the importance of recycling and the risks that plastic bottles

have on our natural environment, specifically on animals that live in the sea.

According to the event website, between 60 and 80 percent of debris in the sea is from

plastic products. The sculpture encourages people to rethink how they approach recycling

and to protect our natural resources.

mymodernmet.com/profiles/blogs/giant-fish-sculpture-un-conference-on-sustainable-development

Centerbeam at the 6. documenta in Kassel

Centerbeam (1977/1978), 6. documenta Kassel from Yollarda on Vimeo.

In 1977, the “exuberant, friendly inferno” Centerbeam captivated hundreds of thousands of visitors at the documenta 6 exhibition in Kassel, Germany, and at its subsequent installation on the National Mall in Washington, DC. Artists from the Center for Advanced Visual Studies (CAVS), led by its Director Otto Piene, worked with MIT scientists and engineers to develop this piece. Centerbeam exemplified the collaborative spirit and democratic working process of CAVS, which was founded in 1967. “Pipelines of elements and energies,” Centerbeam was a massive, temporary installation of kinetic, performing and participatory sculpture. It incorporated technologies pioneered by CAVS fellows as artistic media: laser projections, holograms, steam screens, neon, video, inflatable sculptures helium-lifted into the sky and other works, projected from the spine of a 144 foot long water prism. The rational, processional form of Centerbeam by day and its indeterminate volumes of laser-illuminated steam, floral and stellar images by night, embodied CAVS’ symbiosis of the arts, sciences and engineering.

You can see the Video until the 29th of July 2012 at the exhibition “The Future Archive”, Neuer Berliner Kunstverein, Chausseestrasse 128, Berlin

Sankt Oberholz-Berlin-Venue of the digital Bohéme

St. Oberholz in Berlin from Yollarda on Vimeo.

Franz Bieberkopf was here
Drank his beer
Go to the ladiesrooms in St. Oberholz
Refresh your lipstick

Listening to Hans Paetsch
Reading Hui Buh
The story of Balduin, the knight
Transformed to the ghost of a castle

Once upon a time in the 1970th
When we were watching Hitparade
And listening to the Radio
Of the British Military Forces in Germany

The Aischinger brothers August and Carl opened the first public venues for drinking beer in Berlin 1892. The building at Rosenthaler Platz was the ninth place, built in 1898, where you could have snacks and a beer for 10 Pfennig (5 Cent). Alfred Döblin describes the place in his novel “Berlin Alexanderplatz”. Aischinger lost their good name with taking over the “”Haus Vaterland” from the jewish Kempinski Family. In 1947 when the building was in the Sowjet ruled sector it got part of the state owned gastronomy HO. After the reunification 1989 Burger King owned the beautiful building, later it got a table dance bar. In 2005 Ansgar Oberholz opened a venue for the digital Bohéme. Young Creatives from Germany and from all over the world come to live and work here and around Rosenthaler Platz.

Vom Essen und Trinken

Als Angehöriger des lyrischen Prekariats mit zweifelhaftem Budget ausgestattet, bin ich in Istanbul nicht sonderlich viel ausgegangen. Was Mahlzeiten belangt, agierte ich weit überwiegend als Selbstversorger in meiner kleinen, mäßig ausgestatteten Küche. Viele Zutaten der türkischen Küche hatte ich bereits in den vergangenen Jahren in meinem Kölner Kaufsaray gefunden und zuhause getestet, andere, etwa Hammelhoden, mochten sie auch noch so halal geschlachtet sein, ließ ich bis heute aus. Fisch ist in Istanbul günstiger als Fleisch, das freute mich und die Händler am Fischmarkt von Karaköy. Durch mein unsichtbares Auge erblickte ich mich regelmäßig mit einem Säckchen fangfrischem Bonito oder Garnelen beim Erklimmen des Galatahügels. Was mir sonst noch besonders gefiel:

– İçli Köfte, konisch auslaufende, frittierte Bulgurkugeln, mit Fleisch und Zwiebeln gefüllt. Google Translate fand die schöne Übersetzung „Empfindlicher Klops“. Schwer ergründliche, sehr orientalische Gewürzmischungen runden diesen wunderbaren Snack.

– Çerkez Tavuğu, das berühmte tscherkessische Huhn, kommt als pürierte Paste aus Hühnerfleisch, Walnüssen, Paprika, sowie weiteren Grundzutaten und Gewürzen. Eine perfekte Vorspeise.

– Midye Dolma sind gekochte und mit gewürztem Reis gefüllte Miesmuscheln. Sie werden mit einem Spritzer frischer Zitrone serviert. Die Muscheln können am Straßenrand stückweise geordert werden, der Verkäufer präpariert Tier um Tier und reicht die geöffneten Schalen einzeln an.

– İmam Bayıldı sind fein mit Gemüsen und Gewürzen gefüllte, geschmorte Auberginen. Sie werden als Vorspeise oder Beilage gereicht und schmecken einfach nur großartig. Der Name des Gerichts bedeutet denn auch „Der Imam fiel in Ohnmacht“.

– Tantuni: in mächtigen Spezialpfannen gegarte, raffiniert geradeaus geschärfte Rind- oder Kalbfleischwürmchen mit Tomaten, Zwiebeln, Petersilie in Yufkateig gerollt. Dazu wird Salat aus Rauke, Brunnenkresse und Sauerampfer gereicht. Sollte eines Tages den deutschen Döner ablösen.

Von türkischem Döner, dessen Machart sich vom deutschen in zentralen Punkten unterscheidet, hielt ich mich fern, zumal mein Nachbar einer schweren Dönervergiftung erlag. Zwar feierte er nach zwei Tagen bereits Wiederauferstehung, doch in der Zwischenzeit machte er einen wahrlich gespenstischen Eindruck. In den türkischen Döner gelangt eher wenig Fleisch (und doch genug, um zu überschlagen, daß die billigen Stückpreise ungute Rückschlüsse auf die Grundqualität nahelegen), zumeist vom Huhn, desweiteren Fritten, Gewürzgurken, Mayonnaise und ähnliche Überraschungen. Das Konkurrenzprodukt ist ein horizontaler Spieß, Kokoreç. Um einen Fettkern werden Lammdärme gewickelt und angeröstet. Sind die Darmschnüre außen schön kross, werden sie abgehobelt, zerkleinert und mit Zwiebeln und Tomaten serviert. Obgleich ich als Kind durchaus Affinität zu „Sauren Nierchen“ und insbesondere zu Hühnerherzen besaß, halte ich mich heute bei Innereien meist zurück.

Was ich als Kind hingegen ablehnte, war Milchreis, den ich in Istanbul in seiner Ausprägung als Sütlaç beinahe täglich mit Begeisterung löffelte. Überhaupt war ich angetan von den Desserts: Tavuk Göğsü und Kazandibi sind klebrige Reismehlpuddings, im erstern Fall mit Hühnerfasern untermengt. Berichtet wurde mir von Aşure, einer suppen- oder auch klumpenartigen Süßspeise aus Bohnen, Kichererbsen, Rosinen etc, die zu Festanlässen bereitet würde und das erste Gericht, das Noah nach Verlassen der Arche seinerzeit als Resteessen verteilt habe, gewesen sein soll. Ganze Ladenzeilen widmen sich in Istanbul der Süßwarenversorgung. Es gibt europäisch anmutende Zuckerwerkläden mit Profiteroles und Tiramisu sowie grell überzogenen, mit heftigen Geliermitteln gesteiften Törtchen, und dann wieder Baklava-Bäcker mit ihren sirupgetränkten Auslagen und Lokumstände, durch deren vielfältige Proben sich zu naschen einen schönen türkischen Sport vorstellt.

In meiner Straße hatte gerade ein Restaurant eröffnet, dessen Programm die türkische Variante von „Futtern wie bei Muttern“ darstellte. Dort gab es Linsen-, Brennessel-, Joghurt- und Hackbällchensuppen mit oder ohne Reiseinlage, und zu den gefüllten Gemüsen auf Wunsch einen kräftigen Schlag Naturjoghurt, ein Produkt, auf das die Türken sich deutlich besser als wir Deutschen verstehen. Das Restaurant unterschied sich von einem klassischen türkischen Arbeiter-Schnellimbiß (Lokanta) eigentlich nur aufgrund seiner ökomensalastigen Einrichtung und dem entsprechenden Publikum.

Worauf die Türken sich deutlich schlechter als die Deutschen verstehen, ist Bier. Auf der Zutatenliste des türkischen Premium Pils Efes ist der verdächtige Begriff Şeker (Zucker) gelistet, auf dem Wein lasten 70 Prozent Steuern, das heißt ein türkischer Wein um 10 Euro ist ordentlicher deutscher Supermarkt-Ware um 3 bis 4 Euro vergleichbar: der türkische Weinbau findet statt und befindet sich im cabernetkopierenden, vanilligen Aus- und Aufbau. Was ich nicht zu testen bekam, war das Wintergetränk Boza, ein leicht vergorenes Bulgursäftlein, über das sehr widersprüchliche Aussagen bestehen. Dafür probierte ich Şalgam, einen recht präsenten, angeblich höchst gesunden, fermentierten Steckrübensaft mit kräftiger Chilinote, der zu Fisch, Fleisch und Rakı getrunken wird, wobei er halbwegs Sinn macht – ohne Fisch, Fleisch oder Rakı ist er höchst entbehrlich. Salep schließlich ist ein Heißtrunk auf Basis zerstoßener Knabenkrautwurzel und, darin wohl Boza ähnlich, von unterschiedlichster Konsistenz und Geschmack (meine Nachbarin meinte: spermaartig), ich erwischte auf der Fähre eine vanillemilchige Version, die nach Fertigmischung roch und wohl für Kinder gedacht war.